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Meine Name ist Steffen Voß. Ich lebe in Kiel. In diesem Blog versammel ich Ideen und Gedanken zu Technologie und Gesellschaft.
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Die unsichtbaren Fäden der Macht
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Michael Seemann verwendet eine Reihe von Begriffen, die er dann wie Werkzeuge nutzt, um Gesellschaft zu analysieren.
Warum du kein „Ich“ bist – und warum das gut ist
Er ersetzt zu aller erst das klassische autonome Individuum („Ich denke, also bin ich“ – Descarte) durch das Dividuum - ein Subjekt, das nur in und durch Netzwerke existiert. „Nobody is an Island,“ wie es John Donne sagte.
Bei allem, was wir tun, sind wir von materiellen und sozialen Voraussetzungen abhängig. Michael Seemanns Dividuum ist deswegen kein festes Wesen, sondern ein Knotenpunkt, dessen Identität sich ständig neu zusammensetzt – aus den Möglichkeiten, über die es verfügen kann und den Zwängen, denen es unterliegt.
Die Illusion der freien Wahl
Die „Pfadgelegenheit“ beschreibt Handlungsoptionen entlang von Wegen, die uns offenstehen – oder nicht). Eine Pfadgelegenheit ist wie eine Tür in einem Labyrinth: Sie ist nur dann eine Option, wenn du den Schlüssel hast (materiell), wenn das Schild sagt „Hier darfst du lang“ (semantisch) und wenn niemand die Tür blockiert (sozial). Deine Möglichkeiten hängt also von Dingen ab, die du nicht kontrollierst.
Wer wirklich die Fäden zieht
Hier kommt Michael Seemanns „Fulcrum“ ins Spiel. In der Physik ist das Fulcrum der Punkt, an dem man einen Hebel ansetzt, um eine Hebelwirkung zu erzielen. Also der Punkt am Türrahmen, an dem man die Brechstange ansetzt, um die Tür aufzuhebeln. Wenn man keinen Fulcrum hat, kann man nicht hebeln.
Wer handeln will, braucht dafür eine materielle, semantische und soziale Infrastruktur. Wenn die Infrastruktur nicht ausreicht, geht nur der Türrahmen (das Fulcrum) kaputt – die Tür öffnet sich aber nicht. In der echten Welt sind Fulcren die unsichtbaren Punkte, die entscheiden, welche deiner Handlungsoptionen (Pfadgelegenheiten) wirklich funktionieren – und welche nur Illusionen sind. Macht hat, wer die Fulcren der Anderen kontrolliert.
Wie Macht funktioniert – und wie du sie nutzt
Mit der „Hebel:Fulcrum-Mechanik“ erklärt Michael Seemann, wie Macht und Handlungsfähigkeit in vernetzten Welten funktionieren: Stell dir vor, du willst mit einem Hebel einen schweren Stein anheben – der Hebel ist deine Handlung (z. B. „Ich gründe ein Startup“), und das Fulcrum (der Drehpunkt) ist die Infrastruktur, die deine Handlung erst möglich macht (z. B. Investor:innen, ein Markt, dein Netzwerk).
Die Mechanik zeigt: Deine Wirkung hängt nicht allein von deinem Einsatz und deiner Kraft ab (deinem Hebel), sondern davon, wie stabil dein Fulcrum ist. Wer die Fulcren kontrolliert, schreibt die Regeln – und wer Hebel klug einsetzt, kann mit wenig Aufwand viel bewegen.
Michael Seemann spricht übrigens von „Infrastruktur“ und nicht beispielsweise von „Ressourcen“ um Fulcren zu beschreiben, weil sie keine neutralen Ressourcen sind, sondern politisch geformte Infrastrukturen (z. B. Algorithmen, Märkte, kulturelle Normen). Das ist vor allem wichtig, um bspw. zu erkennen, dass Frauen oder schwarze Menschen weniger Pfadmöglichkeiten haben, nicht weil das einfach so ist, sondern weil Gesellschaften in der Vergangenheit beschlossen haben, dass das so sein soll.
Der unsichtbare Käfig in deinem Kopf
Wir können nie genau wissen, welche Hebel wir gerade einsetzen können. Über das bspw., was andere bei uns sozial angemessen halten, können wir nur spekulieren. Wir haben Erwartungen darüber, was andere von uns erwarten. Bei den meisten Menschen dürfte das dazu führen, dass sie nicht alle Möglichkeiten nutzen, die sie wirklich hätten.
Wenn Du beispielsweise denkst „Ich glaube, dass nur Menschen mit Uni-Abschluss in dieser Position arbeiten dürfen“ sind das Erwartungserwartungen, die als selbst-erfüllende Prophezeiungen bestehende Machtverhältnisse stabilisieren.
Erwartungserwartungen sind aber keine individuellen Ängste, sondern soziale (dividuelle) Infrastrukturen – sie formen unsere Pfadgelegenheiten, bevor wir überhaupt handeln.
In den Spuren der Vergangenheit
Die Pfadgelegenheiten der Gegenwart hängen entsprechend nicht nur von den aktuellen Optionen ab, sondern auch von vergangenen Entscheidungen – deinen eigenen und denen der Gesellschaft. Du hast dich früher für bestimmte Wege entschieden (z. B. Ausbildung, Job, Wohnort) – und diese Entscheidungen öffnen oder verschließen dir heute Türen. Pfadabhängigkeiten wirken wie unsichtbare Schwerkraft – sie machen es uns einfacher, auf bekannten Pfaden zu bleiben, als neue zu bahnen.
Wie du die Netzwerke für dich arbeiten lässt
Bis hierhin klingt Michael Seemanns Theorie vielleicht deprimierend: Ich bin kein Individuum, sondern ein Dividuum und abhängig von Pfaden, Fulcren und Erwartungen! Meine Freiheit ist nur so groß wie die Pfadgelegenheiten, die mir offenstehen! Und selbst die hängen von vergangenen Entscheidungen oder Anderen ab!
Aber genau hier kommt der Hoffnungsschimmer – denn Michael Seemann Theorie sagt auch: Ja, du bist abhängig von Netzwerken – aber genau das gibt dir auch Macht! Du bist handlungsfähig, weil du lernen kannst, die Pfade, Fulcren und Erwartungen in deinem Netzwerk zu erkennen, zu nutzen oder neue zu bauen. Bei Michael Seemann wird „Freiheit“ zur Agency – der Fähigkeit, Abhängigkeiten strategisch zu gestalten.
Wer profitiert von deinen Wegen?
Bis hierhin habe ich versucht zu erklären:
Dividuen handeln in Netzwerken.Pfadgelegenheiten sind ihre Handlungsoptionen.Fulcren sind die Drehpunkte, die diese Optionen ermöglichen.Erwartungserwartungen und Pfadabhängigkeiten stabilisieren die Pfade.Agency bedeutet, diese Strukturen klug zu nutzen.
Aus dieser theoretischen Basis entwickelt Michael Seemann seine „Politische Ökonomie der Pfadgelegenheiten“. Denn: Wer kontrolliert diese Pfade? Wer profitiert davon? Und warum ist es so schwer, Alternativen zu schaffen? Die Politische Ökonomie der Pfadgelegenheiten zeigt, wie Macht und Wert in vernetzten Systemen entstehen – und warum manche Akteure (Plattformen, Konzerne, Staaten) die Regeln zu ihren Gunsten gestalten.
Wert entsteht in vernetzten Systemen dort, wo Akteure Fulcren kontrollieren, von denen die Pfadgelegenheiten anderer abhängen. Macht ist die Fähigkeit, diese Abhängigkeiten zu strukturieren – und Interdependenz ist das Feld, in dem dieser Kampf um Wert stattfindet.
Ein Vermieter eignet sich Wert an, weil er das Fulcrum „Wohnraum“ kontrolliert – und damit die Pfadgelegenheit „Wohnen“ für Mieter:innen strukturiert. Wert ist also relational. Die Wohnung des Vermieters ist den potenziellen Mieter:innen etwas wert. Also kann man den Wert umverteilen – indem man die Fulcren demokratisiert. Damit ändern wir die Spielregeln.
Ich finde die Theorie äußerst spannend. Wenn man sie ein wenig verstanden hat, funktioniert sie wie ein Röntgenblick für gesellschaftliche Verhältnisse. Man kann die Strukturen erkennen, die dafür sorgen, dass die Welt so ist, wie sie ist. Und man ahnt, wo die Ansatzpunkte sind, um sie besser für alle zu machen.
Michael Seemann schreibt natürlich noch viel mehr. Aber vielleicht hilft mein Text beim Einstieg.
LinksMichael Seemann: DividuumMichael Seemann: PfadgelegenheitMichael Seemann: Hebel:Fulcrum-MechanikMichael Seemann: Interdependenz-Theorie und Machtformel-ExplainerMichael Seemann: Die politische Ökonomie der Pfadgelegenheiten
Meine Name ist Steffen Voß. Ich lebe in Kiel. In diesem Blog versammel ich Ideen und Gedanken zu Technologie und Gesellschaft.
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Schneller im Hamsterrad
<!--more-->Mutige Reformen für Deutschland – Grundsatzrede von Vizekanzler Lars Klingbeil
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Es war einfach eine schlechte Rede, die Vizekanzler, Finanzminister und zuletzt auch SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil unter dem Titel „Reformen für ein starkes Land“ da gehalten hat.
Menschen kamen in seiner Rede nicht vor. Nicht einmal die übliche rhetorische „Krankenschwester“, die dieses oder jenes braucht. Es war eine blutleere Aneinanderreihung von Substantiven. Lars Klingbeil hat die Instrumente gezeigt, mit denen er Deutschland wieder großartig machen will. Wie bei einer Folter.
Er überspringt es, ein Bild des Großen Ganzen zu entwerfen – eine Zukunft, die er erreichen will. Es scheint ohnehin allen klar zu sein, dass alles irgendwie anders werden muss. Politiker und Konzernmanager haben Weichen falsch, nicht oder zu spät gestellt. So könne es nicht weiter gehen. Deswegen, erster Punkt: Arbeitsmarkt. Die Arbeiter sollen es ausbaden und mehr arbeiten. Und die wollen das sogar so. Aus Liebe zu Deutschland.
„Opfer bringen“ vs. Solidarität
„Mein Gefühl ist, die Menschen in unserem Land sind auch bereit, Opfer zu bringen und Veränderungen zu akzeptieren,“ sagt er und ergänzt, „Aber sie wollen, dass es gerecht zugeht und sie keiner Willkür ausgesetzt sind. Das muss die Messlatte für unsere Reformen sein.“
Dein Gefühl täuscht Dich, Lars. Menschen bringen Opfer, wenn sie gezwungen werden. Sie sind aber solidarisch, wenn sie wissen wofür. Denn Solidarität ist kein Verzicht, wenn ich weiß: Mein Beitrag macht uns alle stärker! Das haben wir in Corona gesehen. Das haben wir 2015 gesehen, als die Menschen von dem Krieg in Syrien zu uns geflohen sind. Das haben wir nach 9/11 gesehen oder nach der Wende 1989. Deswegen bezahle ich gerne Steuern – im Gegensatz zu denjenigen, die viel mehr von Deutschland profitieren als ich.
Ich erinnere mich an 2015, als Nachbarn spontan Sachspenden für Geflüchtete organisierten. Das war Solidarität. Nicht weil jemand es befohlen hat – sondern weil es richtig war.
Deutschland braucht nicht mehr Arbeit, sondern ein neues Modell
Die deutsche Wirtschaft schwächelt nicht, weil wir zu wenig arbeiten. Die deutsche Wirtschaft schwächelt nicht, weil Frauen zu viel in Teilzeit arbeiten. Die deutsche Wirtschaft schwächelt nicht, weil Menschen alt werden und in Rente gehen. Sie schwächelt, weil die deutsche Wirtschaft alten Scheiß produziert, den niemand auf der Welt mehr kaufen will. Dinge, die nicht zu einer Zukunft passen, die Lars Klingbeil aber auch nicht beschreiben kann.
Weil die Bundesregierungen seit mindestens 25 Jahre sich keiner Mühe mehr gegeben haben, irgendein Zukunftsbild zu entwerfen und zu kommunizieren – eine Mission fürs Land auszugeben, gibt es nichts, an dem sich Unternehmen orientieren können.
In den letzten Jahren ist es sogar noch schlimmer geworden, wenn abgeschlossene Themen wieder aufgemacht werden, und Atomkraft, Verbrennungsautos und Ölheizungen wieder zu einer Option werden sollen, weil sie durch irgendeine Zaubertechnik „grün“ gemacht werden könnten.
Warum investieren Unternehmen nicht in Zukunftstechnologien? Weil der Staat keine klare Richtung vorgibt – und sie lieber kurzfristige Gewinne machen.
Es arbeiten heute so viele Menschen in Deutschland, wie noch nie zuvor. In den nächsten Jahren gehen aber Millionen mehr Menschen in Rente als neu in den Arbeitsmarkt kommen. Gleichzeitig soll noch ein zusätzlicher Jahrgang für die Wehrpflicht aus dem Arbeitsmarkt genommen werden. Das kann doch niemand mit Mehrarbeit auffangen. Nicht mit Vollzeit für alle, nicht mit Rente ab 80.
Wer sind die „guten“ Ausländer?
Die „Ausländer-Raus-Politik“ der Bundesregierung seit dem letzten Olaf-Scholz-Jahr hilft überhaupt nicht dabei, das Problem abzumildern. Ja, Lars Klingbeil spricht das an: „Die Migration der letzten Jahre stabilisiert die deutschen Sozialsysteme erheblich – auch wenn manche den Eindruck erwecken, das Gegenteil sei der Fall. […] Zuwanderung allein wird aber nicht ausreichen, um das Arbeitsvolumen in Deutschland zu erhöhen. Dafür braucht es weitere Strukturreformen.“
Faktisch aber weisen wir illegal die Menschen an der Grenze ab und lassen sie sogar zu hunderten im Mittelmeer ersaufen. 80 % der Syrer will die Bundesregierung nach Syrer remigrieren. Menschen, die in Deutschland seit über 10 Jahren leben, lernen und lieben. Die zu einem größeren Anteil in sozialversicherungspflichtiger Arbeit sind als in die deutsche Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig sprechen wir über Anwerbung von Menschen aus Marokko, Kirgisien oder Vietnam.
Ich hätte mal eine Übersicht: Welches sind jetzt gute Ausländer und welches schlechte? Und ich hätte gerne eine Erklärung für diese Politik, die nicht „Rassismus“ lautet.
„Ich bin stolz, in diesem Land zu leben,“ sagt Lars Klingbeil. Ich möchte auch nirgendwo anders leben. Aber stolz macht mich so ein Land nicht.
Es arbeiten derzeit so viele Menschen wie noch nie. Es werden aber weniger. Das werden wir nicht mit Mehrarbeit auffangen – nur mit Innovation und Produktivität. Ich finde es richtig, das Ehegattensplitting abzuschaffen. Aber nicht, weil es die Deutsche Wirtschaft retten würde, wenn alle Menschen Vollzeit arbeiten. Das Ehegattensplitting macht Frauen finanziell von den Männern abhängig. DAS darf so nicht mehr sein.
Die Soziologin Jutta Allmendinger hat gerade im ASK-Podcast „Damit die Guten gewinnen“ erklärt, dass sie sich keine Welt vorstellen kann, in der alle Menschen in Vollzeit arbeiten, solange es Kinder und ältere Personen gibt. Wenn die Eltern beide 40 Stunden arbeiten und noch zur Arbeit hin und zurück müssen – dann müssen doch Kinder mindestens 45 Stunde in der Woche von Fremden betreut werden. Warum dann überhaupt noch Kinder bekommen? Die sind schlecht für die Wirtschaft und kommunale Kassen.
Ich versuche für mich auch immer noch herauszufinden, wie ich Ehrenamt mit Vollzeitarbeit vereinbaren kann. Der Tag hat bei normalen Menschen einfach nur 16 wache Stunden.
Bürokratieabbau à la Musk und Milei
Forderungen an die Wirtschaft hat der SPD-Vorsitzende nicht – außer, dass die Vorstände mal mehr an die Heimat denken sollten. „Standortpatriotismus“! Er droht nicht mit Konsequenzen (z. B. Subventionsentzug, strengere Auflagen) – Sanktionen scheint es nur für arme Menschen zu geben.
Im Gegenteil: „Ich bin für radikalen Bürokratieabbau und für deutlich weniger Regulierung, wenn Sozialpartner mit Tarifverträgen und Mitbestimmung die Dinge gemeinsam vereinbaren. Da kann sich der Staat zurückziehen.“
„Radikalen Bürokratieabbau“ – das kennen wir von Javier Milei oder Elon Musk. Selbst, wenn Lars Klingbeil es anders meinen sollte. Das ist die Assoziation, die er erweckt. „Radikaler Bürokratieabbau“ klingt nach Freiheit – aber in Wahrheit bedeutet es: Mehr Macht für Konzerne, weniger Rechte für die Arbeiterschaft.
Es ist nicht einfacher für Unternehmen, wenn es kein einheitliches Gesetz mehr gibt, sondern stattdessen Branchen- und Haus-Gesetze in Form von Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen. Für uns Arbeiterinnen und Arbeiter ist es unsicherer, wenn das keine verbindlichen Regeln mehr für alle sind. Das schafft zusätzliche Anreize für Unternehmen keine Tarifverträge und Betriebsräte zu haben.
Das Geschwätz von gestern
Den schlimmsten Satz in der Rede aber fand ich: „Es ist richtig, dass wir das alte Bürgergeld abschaffen.“ Das ALTE Bürgergeld! Das von 2023! Vor gerade einmal drei Jahren wollte die SPD mit dem Bürgergeld endlich Hartz IV überwunden haben.
Vor drei Jahren sagte der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil: „Mit dem Bürgergeld sorgt die Ampelkoalition für die größte Sozialreform seit 20 Jahren. Und entwickelt hat sie die SPD! Hartz IV ist damit Geschichte. Mit dem Bürgergeld schaffen wir einen echten Kulturwandel in der Grundsicherung für Arbeitssuchende. Wir setzen künftig auf mehr Respekt und gerechte Teilhabe. Die Konservativen haben in den letzten Tagen immer wieder falsche Behauptungen aufgestellt. Richtig ist: Die Leute wollen arbeiten. Viele arbeiten und müssen aufstocken, weil der Lohn nicht zum Leben reicht.“
Das war etwas, für das viele SPD-Mitglieder lange gekämpft haben. Das wird jetzt vom gleichen SPD-Vorsitzenden in einer Rede einfach weggewischt.
Wir brauchen keine Opfer – wir brauchen eine Vision
Man kann ja von Rot/Grün, Gerhard Schröder und der Agenda 2010 halten, was man will. Aber damals war klar, für was der Arbeitsmarkt umgebaut werden sollte. Wir hatten 6 Millionen Arbeitslose und Menschen steckten in der Sozialhilfe fest, bei der es sogar weniger als Hartz IV gab. Das musste modernisiert werden und wurde dann über den Bundesrat von CDU und FDP leider massiv verschärft. Aber es gehört eben auch der sozial-ökologische Umbau dazu. Der Ausstieg aus der Atomkraft, der umfangreiche Ausbau der Erneuerbaren Energien, Ganztagsschulen, Anspruch auf einen Kita-Platz usw.
Ich mag Lars Klingbeil als Menschen. Ich glaube, der versucht schon irgendwas richtig zu machen. In einem Interview mit der ZEIT sagte Lars Klingbeil auf die Frage, ob die SPD noch eigene konstruktive Ideen haben, wie Gesellschaft aktiv und mit Zuversicht gestaltet werden sollte, anstatt nur den Status Quo zu verwalten: „Boah, die ehrliche Antwort ist, dass ich finde, sie hat gerade zu wenig Ideen.“
Als Parteivorsitzender muss er es schaffen, eine positive Vision für die Zukunft zu entwerfen und nicht nur ein Arbeitsprogramm für die nächsten Monate, bei der die Arbeit die Anderen machen sollen. Er muss es jedenfalls schaffen, einen Person für den Vorsitz der Partei zu finden, die das kann.
Mir fehlte bei der Bertelsmann-Rede nur der Abschluss „Wir müssen den Gürtel enger schnallen.“
Wir sind auf dem falschen Kurs, aber ihr müsst schneller werden.
Epilog
Lars Klingbeil bietet keine Vision – dabei finde ich es naheliegend: Ein Deutschland, das weiß, dass Solidarität Stärke ist. Ein Deutschland, das Zukunft baut, statt sie zu verwalten.
Stell dir vor: In Dresden gründet Fatima, eine syrische Ingenieurin, die 2015 nach Deutschland kam, ein Start-up für nachhaltige Batterietechnik – weil Deutschland ihr eine Chance gab.
Währenddessen baut Tom, ein ehemaliger Kohlekumpel aus der Lausitz, mit seinen Kollegen eine Fabrik für Solarpanels um – finanziert durch einen staatlichen Transformationsfonds, der Arbeitsplätze sichert. Und in Berlin entwickelt Aisha, deren Eltern aus Ghana einwanderten, eine System für kreislauffähige Mode, weil sie weiß: „Unsere Wirtschaft muss endlich etwas produzieren, das die Welt wirklich braucht.“ Ein Land, das versteht: Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel für ein gutes Leben – für alle.
Ein Deutschland, das Einwanderung endlich als Chance begreift – ohne Menschen zu sortieren. Wie in München, wo Mehmet, der seit 20 Jahren als Krankenpfleger arbeitet, endlich die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt – nicht nach einem doofen Test, sondern weil er seit Jahren Steuern zahlt, Menschen pflegt und in seinem Viertel den Fußballclub trainiert.
Oder wie in Hamburg, wo Lena, eine Grundschullehrerin, mit ihren Schüler:innen ein Willkommensprojekt für neu angekommene Familien organisiert – weil Integration kein Papierkram, sondern gelebte Normalität ist.
Wo Omar, der in Damaskus Medizin studierte, nicht jahrelang auf die Anerkennung seiner Abschlüsse wartet, sondern innerhalb von sechs Monaten in einem Krankenhaus in Köln arbeiten kann. Ein Land, das Vielfalt nicht nur auf Plakaten feiert, sondern im Alltag lebt – weil es weiß, dass seine Zukunft davon abhängt.
Ein Deutschland, das Arbeit neu denkt: weniger Hetze, mehr Sinn. Wie bei Sophie, die als Alleinerziehende in Teilzeit als Erzieherin arbeitet und trotzdem genug verdient, um ihre Miete zu zahlen – weil Care-Berufe endlich fair bezahlt werden. Oder wie bei Markus, der nach 30 Jahren im Schichtdienst bei BMW jetzt nur noch 30 Stunden arbeitet – bei vollem Lohnausgleich, weil sein Betrieb erkannt hat: Ausgebrannte Mitarbeiter sind kein Gewinn.
Wo Eltern wie Anna und David nicht mehr zwischen Karriere und Kindern wählen müssen, weil es flächendeckende Ganztags-Kitas und echte Vaterschaftsmonate gibt. Und wo Rentner wie Wolfgang, der 40 Jahre lang Bus fuhr, nicht mit 67 in die Altersarmut rutschen, sondern mit einer Rente, die wirklich zum Leben reicht.
Ein Deutschland, das Solidarität nicht einfordert, sondern vorlebt. Wo Familien wie die Çeliks, die in Neukölln ein Café betreiben, nicht mehr fürchten müssen, von Spekulanten vertrieben zu werden – weil es einen Mietendeckel und starke kommunale Wohnungsbaugesellschaften gibt.
Wo Unternehmerinnen wie Brigitte, die eine Bio-Bäckerei in Bayern führt, nicht gegen Discounter-Konzerne verliert, sondern durch regionale Förderprogramme und faire Steuern eine Chance hat. Und wo Studenten wie Jannik nicht mehr nebenbei bei Lieferando schuften müssen, weil das BAföG endlich wieder für alle reicht.
Ein Land, das weiß: Stärke entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch Gemeinschaft – und in dem Menschen wie Fatima, Tom, Mehmet oder Sophie nicht nur über die Runden kommen, sondern gestalten können. Starke Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen können.
Viele von uns versuchen schon lange, in diesem Deutschland zu leben. Staat und Wirtschaft dürfen dem nicht länger im Weg stehen.
Lars, frage Dich, was die Menschen stark macht! Das wäre für mich eine Vision. Eine, für die es sich lohnt, zu kämpfen.
Meine Name ist Steffen Voß. Ich lebe in Kiel. In diesem Blog versammel ich Ideen und Gedanken zu Technologie und Gesellschaft.
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Schlimmer als ein besoffener Praktikant
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Die Forschenden haben mehrere KI-Agenten eingerichtet, ihnen ein Mail-Postfach und einen Discord-Server gegeben, um sich miteinander zu unterhalten. Mit einfachsten Tricks gelang es den Menschen, die Systeme zu übertölpeln. Am Ende löschte einer der Bots einfach das komplette Mailpostfach, statt nur eine Mail zu löschen.
KI-Agenten sind gerade der große Hype im noch größeren KI-Hype: Sprachmodelle, die nicht auf Eingaben und Anweisungen warten, sondern selbstständig Dinge tun und dafür Zugang auf sämtliche Ressourcen des Eigentümers bekommen. Dafür sollen sie dann wirklich endlich produktiv dabei helfen, Arbeit für die Menschen zu erledigen.
Ich gucke mir das an und denke nur: Wie soll denn ein System, das schon bei normalen Prompts und Ausgaben so oft schief liegt, sich selbst Prompts schreiben, die besser sind? Das muss doch mit jedem Prompt schlimmer werden.
Aber dann kommen diese LinkedIn-Experten (nie sind es Frauen) und erzählen, dass die Ausgabe von LLMs inzwischen schon viel besser sind und praktisch immer richtig liegen. Man könne die Sicherheitsprobleme easy in den Griff bekommen.
Aber man kann doch nur eine Automatik auf sicherheitsrelevante Funktionen loslassen, die zumindest so weit deterministisch ist, dass sie bestimmte Dinge niemals tut. Das geht doch nicht mit Systemen, die man einfach „überreden“ kann, es doch zu tun. Das ist ja schlimmer als ein besoffener Praktikant.
LinksDIE ZEIT: Das ist erst der Anfang des Chaos
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Big-Tech nutzen – Ja oder Nein?
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Die Schlaumeier sind gerade wieder auf LinkedIn aktiv. Ihre Argumentation geht so: „Wenn Du Dienst XY aus ethischen Gründen nicht benutzen willst, dann müsstet Du auch auf die Dienste A, B, C, D, E, F, G, H, I, J verzichten. Das machst Du nicht. Deswegen bist Du ein Heuchler.“ So schießen sie bspw. gegen Open-Source oder, dass man Konsequenzen aus der Kritik an Open AI zieht.
Der moralische Purismus
Neulich schrieb einer:
„ChatGPT kündigen und sich moralisch überlegen fühlen. Während das Smartphone in der Hand auf Technologie läuft, die von genau den Industrien stammt, die man verachtet […] Wer glaubt, er kann die Frucht essen und den Baum verleugnen, hat das Ökosystem nicht verstanden.[…] Deal with it!“
Das ist kein Aufruf zur Ehrlichkeit. Das ist die Kapitulation vor dem System. Denn wer „Deal with it“ sagt, akzeptiert nicht nur die Verhältnisse – er verteidigt sie.“
Ja, die digitale Welt ist kaputt. Bei Big-Tech ist Ausbeutung kein Bug, sondern Businessmodell. Das Problem ist nicht, dass diese Konzerne „böse“ sind. Das Problem ist, dass sie genau das tun, wie sie sollen: Als Profitmaschinen behandeln sie Menschen, Demokratie und Planet als Kollateralschaden.
Ethik? Ein Feigenblatt. Verantwortung? Externalisiert. Und wir? Eingebunden in ein System, das uns weismachen will, wir hätten keine Wahl – während es uns gleichzeitig die Illusion von „Freiheit“ verkauft, solange wir brav klicken, scrollen, kaufen.
„Deal with it!“ – das ist das genaue Gegenteil von dem, was Adorno mit „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ meinte. Sein Satz war keine Aufforderung zur Resignation, sondern eine Diagnose: In einer kaputten Welt gibt es keine unschuldigen Lösungen – aber das heißt nicht, dass wir aufhören sollen, nach besseren zu suchen.
Wer „Deal with it“ sagt, kapituliert nicht vor der Realität – er kapituliert vor der Möglichkeit, sie zu ändern. Und genau das will das System: dass wir unsere Wut runterschlucken und weitermachen wie bisher.
Warum Verzicht keine Lösung ist
Wer kann sich leisten, auf alle Big-Tech-Tools zu verzichten? Die Tech-Milliardäre, die ihre Kinder von Bildschirmen fernhalten – während sie den Rest der Welt in ihre Plattformen locken? Verzicht ist eine privilegierte Haltung.
Die Journalistin Kashmir Hill hat es vor ein paar Jahren einmal versucht, nacheinander auf alle Amazon, Google, Microsoft, Apple und Facebook zu verzichten. Schon das hat ihr Leben sehr kompliziert gemacht – auf alle gleichzeitig zu verzichten ist praktisch unmöglich. Für uns muss deswegen Tech-Nutzung immer widersprüchlich bleiben.
Und selbst wenn du auf alles verzichten könntest, ändert das nichts an den Machtverhältnissen. Verzicht ist individuell – das Problem ist strukturell. Individuelle Moral reicht nicht aus, um gesellschaftliche Widersprüche aufzulösen. Oder, um es auf die Idee des „Moralischen Dreiecks“ zu projizieren: Konsumentenethik alleine reicht nicht. Der Markt allein regelt es nicht. Wir sind auf den Gesetzgeber und auf Unternehmen angewiesen, die ein Interesse an ethischem Handeln haben.
Die Dritte Option: „Kritische Teilhabe“
Wenn Unterwerfung unethisch und Verzicht unmöglich ist – was bleibt uns dann als Bürgerinnen und Bürgern? Die Antwort: Kritische Teilhabe. Wir können das Falsche nicht verlassen, aber wir können in ihm so leben, dass es nicht auch noch Recht bekommt.
Dazu können wir uns partiell verweigern und nur bestimmte Tools nutzen (z. B. Signal statt WhatsApp oder Nextcloud statt OneDrive). Was signalisiert, dass nichts alternativlos ist.
Wir können die Technik entzaubern, indem wir mit unserer Sprache Widerstand gegen die Narrative der Konzerne leisten. Wir meiden verkürzende Formulierungen wie „Der Algorithmus hat entschieden“, sondern führen aus: „Menschen haben einen Algorithmus so programmiert, dass er XY begünstigt.“
Wichtig ist es auch, Alternativen sichtbar zu machen, indem wir in jedem Projekt fragen: „Gibt es eine Open-Source-Alternative?“ Kritik wird dann zum selbstverständlichen Teil solcher Gespräche.
Jedes Mal, wenn ein Big-Tech-Tool Probleme macht, können wir diese Kosten benennen: „Wäre das mit einer Alternative passiert?“ Das macht Abhängigkeiten bewusst.
Es hilft auch in Social Media nicht nur Kritik an Big Tech zu posten, sondern zu sagen: „Hier ist, was ich stattdessen nutze. Und das funktioniert für mich super!“ Das schafft Handlungsoptionen für andere.
Was ich selbst tue (und wo ich scheitere)
Ich nutze ein Android-Smartphone. Es nervt mich, aber ich nutze es – weil es praktisch ist, und weil ich (noch) keine praktikable Alternative gefunden habe. Aber:
Ich habe Signal und Threema statt WhatsApp – nicht weil ich moralisch besser bin, sondern weil ich nicht will, dass Meta meine persönlichen Kontakte vermarktet.Ich nutze Nextcloud für meine Dokumente, Kontakte und Termine – nicht aus Prinzip, sondern weil ich kontrollieren will, wer Zugriff hat.Ich schreibe in LibreOffice – nicht weil Microsoft Word „böse“ ist, sondern weil ich keine Lust habe, für ein Tool zu zahlen, das mich ausspioniert und weil es einfach tut, was ich will, ohne zu versuchen smarter zu sein als ich.Ich nutze Wero wo immer es schon geht – nicht weil PayPal von Peter Thiel gegründet wurde, sondern weil ich einfach nur bezahlen will, ohne dass man meine Verhaltensdaten zweit-und drittverwertet werden.Ich nutze Linux – nicht weil Windows mich überwacht, sondern weil ich die Vielfalt und die Möglichkeiten des freien Betriebssystems mag.Ich nutze generell lieber Open-Source – nicht weil proprietäre Software schlecht wäre, sondern weil ich die Selbstbestimmung mag und dass ich daran mitwirken kann, wie die Software weiterentwickelt wird.
Das ist kein Verzicht. Das ist Selbstbestimmung im Kleinen.
Und ja, ich scheitere oft. Aber jedes Mal, wenn ich eine Alternative nutze, beweise ich: Es geht auch anders.
Die digitale Welt ist kaputt – aber sie ist nicht alternativlos.
Nutzt die Technik, die ihr braucht – aber lasst euch nicht von ihr formen. Stellt die Fragen, die die Konzerne nicht beantworten wollen.
Und handelt, wo ihr könnt – nicht aus Moral, sondern aus Selbstbehauptung.
LinksKuketz Blog: Das Toleranzproblem der Tech-Szene – Menschen mitnehmen statt belehren
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Erste Schritte auf Mastodon
<!--more-->Fülle Dein Profil vollständig aus
Ich gehe davon aus, dass Du Dir einen Server ausgesucht und einen Account angelegt hast. Wenn Du jetzt nicht einfach nur passiv mitlesen willst, solltest Du den anderen Menschen ein paar Anhaltspunkte geben, was Sie bei Dir erwarten können. Dazu solltest Du Dein Profil vollständig ausfüllen:
Dein Realname kann helfen, vertrauenswürdiger zu wirken. Viele Menschen auf Mastodon haben keine Lust, mit ihrem richtigen Namen aufzutreten. Wenn Du damit kein Problem hast, hilft das vermutlich, dass Leute Dir folgen. Deine Biografie musst Du nicht unbedingt schreiben. Keine Ahnung, warum sich dieser Begriff für das Beschreibungsfeld in Social-Media-Profilen etabliert hat. Aber Du kannst dort ein paar Dinge aufschreiben, damit man Dich ein wenig einsortieren kann. Bist Du für etwas bekannt? Was sind Deine Themen? Was ist Dir wichtig im Umgang auf Mastodon?In den Zusatzfeldern kannst Du beispielsweise Links zu Deiner Website posten – darüber kannst Du Deinen Account dann auch verifizieren. Dazu gleich mehr. Du kannst da aber auch Dein Lieblingsessen, Deine Lieblingsband und Deinen Lieblings-Beatle aufführen – Oder Deine Pronomen, Dein Alter usw.Ein Profilbild, auf dem man Dich erkennen kann, hilft, wenn Dir Anonymität nicht wichtig ist. Wenn Du es selten änderst, erkennen die anderen Menschen Deine Posts oft schneller an Deinem Profilbild als an Deinem Namen.Ein Titelbild rundet das vollständige Profil ab.Verifizierung
Gerade, wenn Du eine bekannte Person bist oder einen Account für eine Organisation betreibst, ist es gut, wenn Du Deinen Account verifizierst. Anders als bei den kommerziellen Social-Media-Plattformen, kannst Du das selbst machen. Dazu musst Du ein kleines Stück Code in Deine Website einfügen. Diesen Prozess habe ich hier schon einmal genauer beschrieben. Wenn Du keine Ahnung hast, wie das gehen soll, schick den Link einfach Deinem Webmaster…
Stelle Dich dem Fediverse vor
Dein Profil ist jetzt vorbereitet: Es sieht gut aus und die Leute können sehen, wer Du bist. Eventuell hast Du sogar Deinen Account verifiziert, so dass die Leute sicher wissen, dass Du keinen Fake-Account betreibst.
Jetzt kannst Du Deinen ersten Beitrag schreiben. Verwende dabei das Hashtag #neuhier, damit die Leute wissen, dass das Deine Vorstellung ist. Schreibe ein wenig über Dich und über welche Themen Du Dich gerne austauschen möchtest. Verwende auch dafür Hashtags. So können die anderen Menschen Dich finden.
Zumindest in der Anfangszeit ist es sinnvoll, diesen Post an Dein Profil anzuheften. Er wird dann immer als erster Post in Deiner Timeline angezeigt, wenn jemand Dein Profil aufruft. Um das zu erreichen, klickst Du unter Deinem Post auf die drei Punkte und wählst aus dem Menü „Im Profil anheften“ aus.
Wenn Du den Beitrag dann irgendwann mal wieder vom Profil lösen willst, klickst Du wieder auf die drei Punkte und wählst „Vom Profil lösen“.
[Update, 19.4.2026] Checke jetzt einmal mit diesem Tool, ob alles richtig eingestellt ist.
Folge Accounts – misch Dich ein
Da es keinen so starken Algorithmus auf Mastodon gibt, musst Du Dich selbst um interessante Kontakte kümmern. Über die „Angesagt“-Funktion kannst Du Profile finden. Es gibt als externen Dienst zwar Starterpacks mit thematisch zusammengestellten Accounts (bspw. Universitäten, Bundesinstitutionen oder Comics) aber auch die muss man natürlich erst einmal suchen und finden.
Am besten ist es vielleicht zu Anfang nicht zu viel zu erwarten und einfach großzügig Accounts zu folgen. Du kannst sie lieber irgendwann mal wieder entfolgen, wenn Du merkst, dass sie zu viele Dinge posten, die Dich nicht interessieren.
Du kannst nicht nur Accounts folgen, sondern auch Hashtags. Wie das geht, erkläre ich hier. Dann landen alle Posts mit diesem Hashtag in Deiner Timeline. Das solltest Du nicht übertreiben und nur wenigen Hashtags folgen – sonst wird die Timeline schnell sehr wirr. Es ergibt aber bspw. Sinn, dem Hashtag Deiner Stadt zu folgen. Dann bekommst Du mit, was bei Dir in der Umgebung los ist – und entdeckst darüber Accounts aus Deiner Stadt.
Langsam füllt sich dann Deine Timeline. Experimentiere damit, Accounts und Hashtags zu folgen und zu entfolgen, Hashtags stummzuschalten, Themen und Stichworte zu filtern. So kannst Du Dir nach und nach Deinen eigene Algorithmus zusammenbauen.
[Update, 19.4.2026] Es mag sein, dass Mastodon eine eher technisch interessierte Crowd anzieht und Leute, die sozial engagiert sind und sich für Klimaschutz einsetzen. Für Organisationen kann das eine Herausforderung sein. Auf anderen Plattformen mag es ein breiteres Publikum geben und der Algorithmus sorgt dafür, dass die Inhalte zu den Leuten finden. Aber es gibt etwas Besseres: eine Community, die aktiv sucht, was sie interessiert – und die, wenn sie euch findet, oft viel engagierter ist als die zufälligen Klicker:innen auf anderen Plattformen. Deswegen solltest Du Dir überlegen, was diese Leute von dem interessiert, was es über Deine Organisation zu sagen gibt. Denk mehr von der Zielgruppe her und weniger von Dir als Sender.
Wichtig finde ich, dass ich etwas ins Netzwerk gebe – wenn das alle machen, bekommt man viel mehr zurück. Ich kann mich selbst darum kümmern, die Inhalte zu teilen, von denen ich gerne mehr sehen will. Mastodon ist noch ein echtes Soziales Netzwerk, wo die kommerziellen Plattformen eher Entertainment-Apps geworden sind. Bring Dich ein!