Männer fühlen sich dazu verleitet in ihrer Sprache dein Gewicht und Aussehen abzuwerten, weil sie wissen, dass es dich angreift. Die meisten von ihnen können es zwar nicht beschreiben, verstehen diese Macht aber intrinsich.
Männer schufen eine Gesellschaftsform mit Schönheitsidealen, zeigten dir Fernsehserien, Bücher und Bilder, worin genau diese bestärkt werden, redeten dir von grundauf ein das du dich daran anpassen musst, direkt und indirekt. Dieses Patriarchat spricht aus deinem Vater in jedem Wort was er zu dir sagte, und in jedem Patriarch der es wagt dich zu kommentieren, hallen die Worte deines Vaters. An diese Erniedrigung wurdest du erzogen, trainiert, sodass dich jeder Mann in deinem Leben zurechtweisen kann, wann auch immer er diese Macht über dich braucht.
In anderen Gesellschaften ist es ein Schönheitsideal dick zu sein, hier sollte man am besten knochendünn sein. In Südkorea machen erschreckend viele Menschen Schönheitsoperationen und färben ihr Gesicht um weißer und westlicher auszusehen, hier bräunen sich Menschen. Ein Ideal kann nur ein Ideal sein wenn es unerreichbar bleibt. Es dient einer Abgrenzung zwischen Arm und Reich, es verstärkt und ist demnach Klassismus. Menschen die so aussehen können in die Politik oder Geschäftsführer werden und komfortable Leben leben, ganz indirekt schaffen diese Ideale also ein Umfeld was jeden der nicht dazu gehören soll von vornherein ausschließt. Sei es über den Rassismus der sich auch dadurch offenbart, dass PoC und FLINTA* mit gleichen Qualifikationen weitaus geringere Chancen auf einen Job oder einen Ausbildungsplatz haben, oder die Alltagsdiskriminierung für marginalisierte Gruppen: Überall wird geschrien „Du passt hier nicht hin!” wegen deinem Äußerlichen.
Es ist ein Machtinstrument was in dir Scham auslösen soll. Wenn du aus der Reihe tanzt, Männer auch nur den Hauch von Macht verlieren und sich eingeschüchtert fühlen, dann kommentieren sie deinen Körper, als Armutszeugnis weil du ihnen überall sonst überlegen bist, außer in den arbiträren Maßstäben die sie sich selbst ausdachten für genau diesen Zweck.
Es geht darum etwas zu „kritisieren” was du nicht kontrollieren kannst. Etwas wofür du sicherlich gemobbt wurdest, etwas wofür du erzogen wurdest dich selbst zu schämen. Denn, sind wir ehrlich, Scham kommt niemals von sich selbst und in jeder Beleidigung versucht ein Mann dich an den Scham zu erinnern den du überall in deinem Leben erfahren hast.
Sich dagegen zur wehr zu setzen ist sowohl die schwierigste Aufgabe marginalisierter Personen, aber zeitgleich auch die Aufgabe, die sie bewältigen müssen um ein Leben in Frieden in dieser Welt zu ermöglichen. In der Lage zu sein sich über Scham hinwegzusetzen bedeutet Freiheit. Freiheit von dem Gefühl an Macht was der weiße Cis-Mann über des Proletariat's Proletariat bekommt. Freiheit von der Kontrolle die er über einen hat. Freiheit sein Leben zu leben, und nicht das wofür andere einen schufen.